Gizelas Geschichte - Afik Shiraz. Abinun Shmuel

die Sprache. Wir sahen uns Filme in den lokalen Kinos an. 1957 war ein so kalter Winter, dass die Pfützen auf den Straßen gefroren waren. Nach einem Kinobesuch gingen wir in ein Café namens 'Kabillio', nach dem Namen eines bekannten eines Fußballspielers, in dem ich einen heißen Kaffee trank, um meine Hände zu wärmen und meinen Mann lud mich zu 'Saleb' ein (Salep, auch Sahlep oder Sahlab geschrieben, ist ein Mehl aus den Knollen der Orchideengattung Orchis. Diese Knollen enthalten ein nahrhaftes, stärkehaltiges Polysaccharid namens Glucomannan). Es war unsere Lieblingsbeschäftigung. Ich mochte besonders Musikfilme, und mied Actionfilme. Manchmal haben wir auch Shmuel mitgenommen. Ich erinnere mich besonders an einen Film, der im Krankenhaus spielte und in dem viel Blut gezeigt wurde: wir drei standen auf und verließen das Kino. Wir spielen auch sehr gerne Kartenspiele mit den Freunden. Leon war ein Mann voller Leben und liebte die Gesellschaft im Freundeskreis viel mehr als ich, aber seine Schwerhörigkeit machte ihm die Unterhaltung schwer. Ich war stärker eingeschränkt als er und konnte nicht an allen Aktivitäten teilnehmen, die ihm Spaß machten. Als er zum Beispiel als Teil der Entschädigung einen Urlaub in einem Sanatorium erhielt und nach Tiberias und Ein Gedi ging, blieb ich zu Hause. Als Leon einmal in die Reserve des Kibbuz Galon berufen wurde, wo er Mäntel nähen sollte, nahm er Shmuel eine Woche lang mit. Shmuel kam voller neuer Erfahrungen zurück. Unsere wirtschaftliche Situation verbesserte sich langsam. 1995 wechselten wir in unsere Wohnung in Jaffa, wo ich heute seit fünfzig Jahren wohne. Meine Schwester Cila lebte anfangs im Kibbuz Sha'ar HaAmakim, von dort zog sie in den Kibbuz Maabarot. Wir haben uns selten getroffen, weil wir kein Geld für diese langen Reisen hatten. Da wir keine Telefone hatten, hielten wir zum größten Teil per Brief Kontakt. Die große Nähe, die zwischen uns herrschte, ließ trotz der geografischen Entfernung zwischen uns keinen Moment nach. Shmuel verbrachte viele Male im Sommer die Ferien bei ihr und gewann seine Tante sehr lieb. Im Jahr 1964 absolvierte Shmuel die High School und trat in die IDF ein. Ich war besorgt über die Rekrutierung und war während seiner anderthalbmonatigen Grundausbildung sehr unruhig. Meine Befürchtungen lösten sich auf, als er in ein Rekrutierungsbüro versetzt wurde und die meiste Zeit zu Hause schlafen konnte. Manchmal musste er in den Büros in Haifa oder Tiberias arbeiten, dann lebte er in der Kaserne, und als er in Jerusalem stationiert wurde, kam er bei meinem Schwager unter. Dann konnte ich tief und fest schlafen. Im September 1969 heiratete Shmuel Ella und ich hatte das Gefühl, eine Tochter zu gewinnen. Im Dezember 1970 wurde mein erster Enkel, Dror, geboren. Im März 1973 folgte Kfir und im März 1980 Adi. Die drei Enkelkinder sind erwachsen geworden, haben geheiratet und heute habe ich acht Urenkel. Wenn ich mir die schöne Familie ansehe, die ich gegründet habe, bin ich glücklich und voller Stolz. 1991 erkrankte Leon an Krebs. Er starb am 18. April 1992 im Alter von 78 Jahren und wurde auf dem Friedhof „Yarkonim“ beigesetzt. Weil er am Pessach-Abend starb, konnten wir kaum um ihn trauern, denn die Religion verbot es, ihn die sieben Tage unbeerdigt zu lassen. Hinzu kam, dass zur gleichen Zeit der schreckliche Bürgerkrieg in Jugoslawien tobte. In derselben Woche, in der Leon starb, kam meine Schwägerin mit ihrem Ehemann Rosica und Sado Romano, ihrer Tochter und deren Ehemann und den Kindern, Matilda, Slobodan und Daniella Dannon nach Israel. Sie waren ohne jegliche Habe geflohen und ich musste mich um ihre grundlegendsten Bedürfnisse kümmern. Sie befanden sich in einem Auffangzentrum in Beer-Sheva, wo sie ein möbliertes Zimmer mit Bettwäsche und einen Zuschuss von 1.000 NIS pro Familie erhielten. Sie hatten nur ihre Winterkleidung, die überhaupt nicht zum israelischen Klima passte. Ich sammelte Decken, Kleider und Handtücher und was Freunde mir schickten, änderte und reparierte sie wo es ging, denn ich wollte sie nicht mit Löchern oder fehlenden Knöpfen weitergeben. So

38

Made with FlippingBook Ebook Creator